Pause ist Pause, oder?

Aus den Untiefen des Homeofficeuniversums: Schon mal von Jeffrey Toobin gehört? Der CNN-Rechtsanalytiker und Autor für den New Yorker nahm über Zoom zusammen mit anderen Mitarbeiter*innen des Magazins an einer kreativen „Wahlsimulation“ teil. Eine New Yorker-Mitarbeiterin spielte dabei Donald Trump; Toobin spielte „die Gerichte“. In einer Arbeitspause wechselte Toobin ins sehr Private, zu einem zweiten, telefonsexartigen Videocall. Er entblößte sich und wurde autosexuell aktiv – Pause ist Pause –, allerdings gut sicht- und hörbar für die Teilnehmer seines ersten Videocalls. Er hatte geglaubt, seinen Video-Feed aus- und sein Audio auf „stumm“ geschaltet zu haben, wie er später so kleinlaut wie glaubwürdig erklärte. Zügig nach dieser Aktion wurde Toobin von seiner Position beim New Yorker und von seiner Rolle als Nachrichtenanalyst bei CNN suspendiert (inappropriate behaviour). Das und Schlimmeres kann passieren, wenn Wohnungen zu Arbeitgeberbüros werden, ständiges Überwachtsein der Normalfall ist – und akute Zoom-Drömeligkeit dazu kommt. Via TabletMag

So hätte es sein können, Anthony

Im Juli 2005 wird Anthony Walker bei einem rassistischen Angriff in einem Park in Liverpool ermordet. Er ist gerade 18. Inspiriert durch Gespräche mit Gee Walker, Anthonys Mutter, über den Jungen, der Anthony war, und den Mann, der er werden sollte, erzählt das BBC-Drama Anthony“ die Geschichte des Lebens, das er hätte leben können. Der Story-Clou dabei: Anthonys imaginiertes Leben wird in umgekehrter Chronologie erzählt. Wir treffen ihn, als er 25 ist, und arbeiten uns von dort rückwärts vor. Wir sehen, wie er seine Träume verwirklicht und das Leben genießt, bis zum Augenblick, als die Fiktion endet und die biografische Wahrheit uns voll trifft: Zwei von Hass besoffene Männer verfolgen ihn von einer Bushaltestelle aus in einen Park und erschlagen ihn dort mit einem Eispickel.
Jimmy McGovern, Autor von „Anthony“, erzählt, wie er auf die Idee kam:
„I’d been thinking about the First World War, about how the powers-that-be kept everybody fighting right up to the eleventh hour of the eleventh day of the eleventh month. Even though everyone knew the war was over they kept on fighting and between dawn and eleven o’clock on the eleventh day, thousands died. I would argue that every single death in the First World War was pointless but those that occurred on that final day were the most pointless of all.
I kept asking myself, “How many of those men who died that day would have achieved great things had they lived? Discovered a cure for a virus perhaps, written a great book, painted a beautiful picture?” That got me thinking about Anthony’s hopes and dreams. Had he lived, would he have achieved them? That question lies at the very heart of this drama.“
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Filtern und filtern lassen

Zu viel Auswahl kann einen starr, doof und unglücklich machen. Oder wahnsinnig. Siehe Netflix, Amazon Video, Sky und dergleichen. Der Filmdienst Mubi setzt dagegen auf Qualität durch humane Selektionskompetenz. Denn Mubi hat immer nur 30 Filme im Angebot. Jeden Tag kommt ein neuer hinzu, der älteste Film wird entfernt. Das darf man an sich schon eine spezielle, nischige Idee nennen. Aber es wird noch spezieller. Ausgewählt werden die Filme – Arthouse-Klassiker, Kultiges auch mal aus Argentinien oder Südkorea, Cannes- und Locarno-Kracher, Neulandperlen – von einer Redaktion echter, cinegeiler Menschen. Algorithmus ist ja sonst schon überall.

Das iPhone ein Bauhaus-Maschinchen?

Ist das iPhone ein Kunstwerk? Nicholas Fox Weber sagt: ja. Es sei die Verkörperung von Bauhausidealen. Via The New Republic: „The Bauhaus, open for less than a decade and a half, was one of those rare influential failures. It was like the Velvet Underground, the band that inspired all of its fans to start bands of their own. The art historian Nicholas Fox Weber—the author of The Bauhaus Group: Six Masters of Modernism and the executive director of the Josef and Anni Albers Foundation—goes even further. The title for his new book, iBauhaus: The iPhone as the Embodiment of Bauhaus Ideals and Design, gives away its conceit, suggesting that it’s time we looked more closely at those machines we carry around all day.“

Quite interesting

Q“ ist ein BBC-Quiz wie kein anderes. Das Konzept der Sendung: „Whatever is interesting we are interested in. Whatever is not interesting, we are even more interested in.“ QI hat einen Quizmaster, vier Kandidaten, und es geht um Punkte. Die gibt es aber nur für Antworten, die „quite interesting“ oder besonders „funny“ sind; ob sie richtig, wahr oder relevant sind, interessiert nicht. Punktabzug gibt es für Antworten, die allzu obvious sind (-„Which is the fifth popular german baby boy name?“ -„Adolf.“). Quite funny: Wann immer eine allzu offensichtliche Antwort geäußert wird, ertönt eine Art Atomalarmsignal, das den Antwortgeber als berechenbar brandmarkt und ihn unmissverständlich auffordert, beim nächsten Mal endlich etwas wirklich Originelles zu erzählen. Das Programm besticht durch super schlagfertige Gäste und einen Gastgeber, dessen eigentliche Aufgabe lautet: Rege die Gäste höflich dazu an, intellectual suicide zu begehen, indem sie sich und ihre Phantasie total gehen lassen; und produktiv mit ihrem Nicht-Wissen, mit ihren mentalen Qualitäten und persönlichen Bescheuertheiten umgehen. QI ist ein 26-Jahr-Projekt. 2003 startete die Show mit Fragen rund um den Buchstaben A (Adam, Astronomie, Ameisenbären, Äpfel, Afrika, Atome, Anchovies, Antilopen, Aserbeidschan) und kämpft sich seitdem alphabetisch vor. Gerade läuft die Staffel zum Buchstaben Q.

Analoger Link

Im tagebuchartigen „Tage und Zeilen 2“ von Peter Sloterdijk finden sich mehrere überschwängliche Hinweise auf Essays von Malcolm Gladwell, z.B.:  „Mittags wieder im Sea Palace, allein. Diesmal mit Malcolm Gladwells Essay Something Borrowed, ebenfalls aus dem Jahr 2004, erschienen im New Yorker. Das wird vermutlich auf lange Zeit das Klügste darstellen, was man zu den Themen Plagiat und geistiges Eigentum lesen kann, geschrieben von einem beiläufig Bestohlenen, der sich aus gegebenem Anlass klarmachte, was für eine Ehre es bedeuten kann, wenn ein paar Sätze aus der eigenen Feder im Kunstwerk eines anderen wiederkehren.“ Alle Gladwell-Essays – inkl. Something Borrowed – findet man im 2010 erschienenen Buch What the dog saw“ . Gern geschehen.